Dienstag, 30. Oktober 2007

Homosexualität in Türkei und Kuba

Vielleicht ist es eine Illusion, aber in den letzten Monaten scheint SPIEGEL Online viel öfter Themen zu Homosexualität anzuschneiden. Gestern ging es um den Erasmus-Student Thomas Schad, der seit September 2006 in Istanbul lebt und "schnell gemerkt hat, dass die wenigsten über Homosexualität sprechen." Wobei ich mich bei dem Satz gefragt hatte, ob in Deutschland viel über Homosexualität gesprochen wird. Nun gut.

Bei dem Artikel handelt es sich um einen Erfahrungsbericht, weniger um eine Analyse. So richtig klar wird einem nicht, ob es in Istanbul (im Rest der Türkei sieht es sicher anders aus) anders ist als in einer Großstadt hier in Deutschland.

"Da fragt man sich natürlich, ob man in diesem Land ernsthaft jemandem raten kann, offen über die eigene Homosexualität zu reden und einen ehrlichen Lebensstil zu pflegen", sagt Erasmusstudent Schad. Den Mut dazu muss jeder selbst aufbringen.
Dieser letzte Absatz hätte auch in einem Bericht über Deutschland passen können.

Als Vergleich dazu fand ich einen Artikel in der taz interessant, der schon ein paar Monate auf dem Buckel hat. "Die glücklichen Kinder der Revolution" ist eine Art Reisebericht aus Kuba, der mit einigen Vorurteilen über Kuba aufräumt und in einigen Foren gleichzeitig für Aufruhr sorgte, vor allem bei Exil-Kubanern. Im Prinzip will der Autor sagen, dass es Kuba und seinen Einwohnern besser geht, als wir glauben und das in diesem Staat mehr funktioniert, als man uns glauben lassen will. In vielen Köpfen herrscht das Bild von einem unterentwickelten kommunistischen Staat, der seine "Kinder" ins Gefängnis steckt und von einem Diktator namens Fidel Castro unterjocht wird.

Dem widerspricht der Autor gar nicht, aber er relativiert viele Dinge und kommt zu dem Schluss, dass die Menschen dort nach unserem westlichen Maßstab arm sind, aber glücklicher. Ich wurde neugieriger und fing an zum Thema Homosexualität in Kuba zu recherchieren und stellte fest, dass sich Kuba zu einem der liberalsten Länder Lateinamerikas zu entwickeln scheint. So blöd die Aussage klingen mag, aber dort passt man man sich der Zeit genauso an, wie bei uns.

Letztlich musste ich wieder mal feststellen, wie schwer es ist als Außenstehender sich eine richtige Meinung bilden zu können. Es reicht eben nicht nur SPIEGEL und taz zu lesen, wenn man die "Wahrheit" erfahren will. Ist Kuba böse? Sind alle islamischen Länder homofeindlich? Oder sind wir einer Propaganda erlegen?

Es gibt noch eine Menge zu tun. Eine Menge zu lesen. Eine Menge zu erfahren.

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